Ihr WLAN-Router hat Röntgenaugen: Menschen durch Wände tracken ohne Kameras
Sie haben Ihre Webcam abgeklebt, das Smartphone in den Flugmodus versetzt und sich auf das Sofa gelegt. Doch der gewöhnliche WLAN-Router in der Nachbarwohnung „sieht“ Ihre Bewegungen in Echtzeit als 3D-Drahtgittermodell durch die Wand.
In einer aktuellen Studie demonstrierten Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), dass handelsübliche WLAN-Router als hochpräzise, kamerafreie Überwachungsradare genutzt werden können – mit einer Identifikationsgenauigkeit von nahezu 100 % bei sich im Raum bewegenden Personen.
📡 Die Physik des „Sehens“ mit Funkwellen
Moderne Router nutzen Beamforming, um Funksignale gezielt auf verbundene Geräte auszurichten. Dabei übertragen sie kontinuierlich unverschlüsselte Beamforming-Feedback-Informationen (BFI) und Channel State Information (CSI). Wenn ein menschlicher Körper durch das Signal läuft, streut er die Funkwellen und hinterlässt ein unverwechselbares kinematisches Profil.
Das Brisante: Diese Form der Überwachung erfordert keinerlei Interaktion des Nutzers:
- Völlig geräteunabhängig: Sie müssen kein Smartphone tragen und nicht im WLAN angemeldet sein. Ihre physische Anwesenheit im elektromagnetischen Feld genügt.
- Blick durch Wände und Dunkelheit: 2,4-GHz- und 5-GHz-Frequenzen durchdringen Trockenbauwände, Türen und Holz problemlos. Dunkelheit spielt keine Rolle.
- Passiver Lauschangriff: Ein Angreifer vor Ihrer Haustür benötigt lediglich einen günstigen Empfänger, um die frei im Äther gesendeten Datenpakete aufzuzeichnen – ohne Ihr Passwort zu kennen.
🔒 Wie lässt sich die Sicherheitslücke schließen?
Die Forscher fordern Standardisierungsgremien wie die IEEE auf, eine zwingende Verschlüsselung der Beamforming-Feedback-Daten in künftigen Standards wie WiFi 7 und WiFi 8 zu verankern.
Bis dahin gilt: Wenn Sie jemand fragt, warum Sie zu Hause einen Anzug aus Alufolie tragen, sagen Sie einfach, es sei Ihre neue persönliche WLAN-Firewall.
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