Saturn fand sein Sechseck zu langweilig – jetzt rotiert am Südpol ein Zehneck
Gerade als die Menschheit dachte, sie hätte die Geometrie von Gasriesen endlich durchschaut, entschied Saturn, dass sechs Ecken etwas für Anfänger sind. Vorhang auf für das kosmische Upgrade: Ein gigantisches, 10-eckiges Dekagon wirbelt lässig um den Südpol des Planeten.
Seit mehr als vier Jahrzehnten gilt Saturn dank seines bizarren Sechsecks am Nordpol als unangefochtener Geometrie-König des Sonnensystems. In den 1980er-Jahren von den Voyager-Sonden entdeckt und von Cassini detailliert kartiert, galt das Nordpol-Hexagon als einzigartige Laune der Natur. Doch während irdische Teleskope gebannt nach Norden starrten, bastelte Saturns Südhalbkugel heimlich an einer ganz eigenen geometrischen Machtdemonstration.
🪐 Der 10-eckige kosmische Kreisverkehr
In einer aktuellen Studie in Science Advances enthüllt ein internationales Team unter Leitung von Prof. Agustín Sánchez-Lavega (Universität des Baskenlandes), dem NASA Goddard Space Flight Center und der UC Berkeley die neue Struktur:
- Hubbles OPAL-Detektivarbeit: Durch die Analyse von Langzeitdaten des Hubble-Programms „Outer Planet Atmospheres Legacy“ (OPAL) seit 2023 entdeckten Forscher feine Wellenmuster bei 70°S, die sich allmählich zu einem perfekten Zehneck formierten.
- Absurde planetare Dimensionen: Jede einzelne Seite dieses Dekagons ist länger als der gesamte Durchmesser der Erde – rund 13.000 Kilometer pro Kante.
- Ein wanderndes Dekagon: Anders als das nördliche Hexagon, das nahezu ortsfest über dem Planeteninneren verharrt, driftet das südliche Zehneck mit gemütlichen 10 km/h im Jetstream ostwärts.
- Echtzeit-Evolution: Hubble konnte beobachten, wie sich diese mehrschichtige atmosphärische Welle über wenige Jahre hinweg aktiv entwickelte und verstärkte.
Wie schafft es ein rotierender Riese aus Wasserstoff und Helium, Wolken in schnurgerade Polygone zu biegen? Das Geheimnis liegt in den sogenannten Rossby-Wellen – denselben atmosphärischen Schwingungen, die auf der Erde Jetstreams und Wetterfronten steuern. Doch während unsere irdischen Strömungen sanft geschwungene Regenfronten erzeugen, sorgen Saturns mörderische Rotationsgeschwindigkeit und immense Scherwinde dafür, dass die Wellen zu geometrischen Kanten gestaucht werden.
📐 Warum Planetenforscher staunen
Die Entdeckung rüttelt an bisherigen Annahmen über Gasplaneten:
- Hemisphärische Asymmetrie: Die Raumsonde Cassini sah am Südpol zwischen 2004 und 2017 nur einen Wirbelsturm ohne Polygone. Das beweist, dass Saturns tiefe Polwindmuster über jahreszeitliche Zyklen hinweg spontan neue geometrische Moden annehmen können.
- Lob an Amateurastronomen: Aufmerksame Hobby-Astrofotografen hatten 2024 erste Unregelmäßigkeiten im südlichen Jetstream gemeldet und so den Anstoß für vertiefte Hubble-Beobachtungen gegeben.
Wenn sich Ihr Tag also chaotisch und unordentlich anfühlt, denken Sie daran: Über eine Milliarde Kilometer entfernt hält Saturn in tosenden Ammoniakstürmen stoisch an einer makellosen zehnseitigen Symmetrie fest.
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