TU Graz entwickelt stromlose 3D-Druck-Tonwürfel: 7°C kühlere Luft ohne Strom
Während sommerliche Hitzewellen städtische Wohnungen in Brutkästen verwandeln, präsentieren österreichische Wissenschaftler eine verblüffend einfache Antwort auf explodierende Stromrechnungen: einen 3D-gedruckten Tonwürfel aus Schlamm, Sägemehl und Pilzwurzeln, der die Raumtemperatur allein durch Wasserverdunstung um bis zu 7°C senkt.
Klimaanlagen sind ein zweischneidiges Schwert – sie kühlen unsere Innenräume, verschlingen jedoch gigantische Mengen Strom und blasen heiße Abluft direkt auf die Straßen. Forscher der Technischen Universität Graz (TU Graz) besannen sich deshalb auf Jahrtausende alte Prinzipien persischer Windtürme und Tonkrüge und rüsteten sie mit moderner additiver Fertigung auf.
🧊 Die Physik des "Cooling Cube"
Der im Shape Lab der TU Graz entwickelte Prototyp (ca. 23 cm Kantenlänge) nutzt die latente Verdampfungswärme. Mit Wasser befüllt, leitet die poröse Keramikstruktur die Feuchtigkeit über ein ausgeklügeltes Kapillarsystem an die Oberfläche, entzieht der vorbeiströmenden Luft Wärme und kühlt die Umgebung um bis zu 7°C ab.
Das Geheimrezept: Sägemehl, Pilze und Minimalflächen
Ein gewöhnlicher Ziegelstein auf dem Schreibtisch bringt keinen Kühleffekt. Das Grazer Ingenieursteam erreichte die enorme Kühlleistung durch zwei bahnbrechende Innovationen:
🛠️ Warum 3D-Druck und Biomaterialien so extrem kühlen
- TPMS-Geometrie (Minimalflächen): Der 3D-Druck nutzt gyroidale mathematische Formen, die maximale Verdunstungsfläche auf kleinstem Raum konzentrieren.
- MyCera-Bioporen: Dem Roh-Ton werden Sägemehl und Pilzmyzel beigemischt. Beim Niedrigtemperaturbrennen verbrennen diese organischen Stoffe und hinterlassen ein extrem dichtes, saugfähiges Mikrokapillarnetz.
- Keine chemischen Kältemittel: Das System benötigt weder giftige Kältemittel noch Fluor-Kohlenwasserstoffe – einfaches Leitungs- oder Regenwasser genügt.
Die Würfel lassen sich zu modularen Fassadenwänden stapeln oder als mobile Raumkühler aufstellen. Architekten sehen darin eine vielversprechende Möglichkeit, urbane Hitzeinseln in Städten ganz ohne zusätzliche Energiekosten zu entschärfen.
Ihre alte, scheppernde Klimaanlage mag noch nicht ganz ausgedient haben, aber die Tage schwindelerregender sommerlicher Stromrechnungen sind gezählt.
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