NASA-Ingenieure erfinden violette Plasma-„Wäschepistole“ für Astronauten
Seit Jahrzehnten folgt die persönliche Hygiene an Bord der Internationalen Raumstation einem pragmatischen, aber wenig glamourösen Ablauf: Kleidung tragen, bis sie von alleine steht, in eine ausrangierte Frachtkapsel stopfen und beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verbrennen lassen.
Im Erdorbit mit regelmäßigen Versorgungsflügen funktioniert die Atmosphäre als kosmische Einweg-Reinigung ganz gut. Bei einer dreijährigen Marsmission stößt dieser Ansatz jedoch an physikalische Grenzen: Niemand kann hunderte Garnituren Wechselwäsche einpacken, ohne das Raumschiff in einen fliegenden Kleiderschrank zu verwandeln.
⚡ Kaltes Plasma gegen Weltraum-Bakterien
Forscher der University of Alabama in Huntsville (UAH) unter der Leitung von Dr. Gabe Xu haben in Kooperation mit dem NASA Marshall Space Flight Center einen Prototyp entwickelt: eine handliche Kaltplasma-Pistole. Durch eine Mischung aus Helium, Luft, Wasserdampf und Hochspannung entstehen reaktive Sauerstoffspezies, die Bakterienwände innerhalb von Sekunden ohne einen einzigen Tropfen Waschwasser zerstören.
Wasser ist im Weltall die wertvollste Ressource überhaupt. Jeder Tropfen wird aufwendig recycelt – wasserintensive Waschmaschinen sind für Langzeitmissionen undenkbar.
Funktionsweise: Mit violettem Licht gegen Keime
Im Gegensatz zum glühend heißen Plasma in Sternen arbeitet „kaltes Plasma“ bei angenehmer Raumtemperatur. Auf Knopfdruck erzeugt das Gerät einen leuchtend violetten Ionenstrahl.
Diese Ionen dringen tief in das Textilgewebe ein und setzen Mikroben unter oxidativen Stress. Die Zellmembranen platzen auf, Gerüche werden neutralisiert und die Ausbreitung gefährlicher Biofilme in den feuchten Schichten der Raumanzüge wird wirksam verhindert.
🚀 Fakten zum Prototyp
- Desinfektion statt Fleckentferner: Das Gerät tötet Geruchsbakterien ab, entfernt jedoch keine Kaffeeflecken.
- Planetare Quarantäne: NASA prüft den Einsatz auch zur Dekontamination von Raumanzügen nach Mars-Spaziergängen.
- Handliches Format: Der Prototyp ist derzeit so handlich wie ein Füllfederhalter.
Zukünftige Mars-Astronauten müssen vielleicht mit alten Tomatensaucenflecken leben, aber zumindest entwickeln ihre Socken auf halbem Weg zum roten Planeten kein eigenes Bewusstsein.
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